Hypnose Physiologie



Was passiert im Körper, wenn wir in Hypnose sind?
Um es vorweg zu nehmen: Die Informationslage ist dünn.
Wir wissen, dass im Zuge einer klassischen Hypnose die Atemfrequenz abnimmt,
die Herzfrequenz und der systolische Blutdruck. Weiterhin kann es zu Veränderungen der Körpertemperatur kommen und einem verringerten Muskeltonus. Auch Veränderungen des Blutbildes (Abnahme der Leukozyten um ca. 20% auf Grund vermehrter Anhaftung an den Gefäßwänden) sind feststellbar. (Quellen:Bongartz/ Revenstorf) Das alles gilt zumindest, solange wir Hypnose betrachten als ein entspanntes Empfangen von Suggestionen der Ruhe.

Eine andere, erweiterte Sichtweise auf Hypnose erscheint mir aber viel sinnvoller. In Anlehnung an meinen Lehrer, G. Renartz, betrachte ich Hypnose als einen Vorgang der Optimierung einiger innerer Abläufe – auf Kosten anderer. Unabhängig von dem Einfluss einer anderen Person (Hypnotiseur) kann sich der Mensch völlig unwillkürlich in einen hypnotischen Zustand begeben, um etwa Schmerzfreiheit zu erreichen, oder die körperliche Leistungsfähigkeit bei einem Marathonlauf zu steigern. Man denke an das Runners High oder etwa Berichte von Soldaten, die direkt nach Verlust eines Körperteils im Gefecht keine Schmerzen spürten, um handlungs- sprich überlebensfähig zu bleiben.
Eine Trance muss also keineswegs mit einem Dämmerzustand und körperlicher Passivität einhergehen. Dann aber sind für die Beobachtung o.g. physiologischer Veränderungen die Suggestionen der tiefen Entspannung verantwortlich, nicht der Zustand von Trance an sich.
Möchte man diese Unterscheidung zwischen den Eigenschaften von Trance und der Suggestion (die meistens genutzt wird, um vorsätzlich Trance zu erzeugen) konsequent beachtet wissen, dann bleibt von allen Ergebnissen der Experimente, deren Ziel es war, die originären Eigenschaften von Trance zu benennen, nicht viel übrig. Nicht einmal die posthypnotische Amnesie für Geschehnisse während einer Trance kann als immer zu beobachtendes Phänomen herangezogen werden (Shor/Fromm1972), obgleich es während der Trance eine deutliche Tendenz zu amnestischen Phänomenen gibt.

Was bleibt dann aber als definitive Eigenschaft einer Trance?

In erster Linie sehe ich da die stark heraufgesetzte Wahrnehmungsschwelle gegenüber den von außen über die Sinne heran drängenden Reizen (zumindest aber eine ausgeprägte Gleichgültigkeit gegenüber diesen).
Das bemerkt auch der Hypnotisand in Entspannungstrance, wenn ihn z.B. Geräusche, die normalerweise stören, kaum noch irritieren. Demzufolge wäre Trance aber nichts anderes, als Konzentration. Allerdings eine Konzentration auf innere Vorgänge, mit einer Tendenz, äußere Vorgänge weniger bis gar nicht zu beachten.
Man könnte auch von einer Abspaltung von Sinnesreizen sprechen.
Von der Natur zu Überlebenszwecken angelegt, tritt Trance spontan auf, kann aber auch absichtlich induziert werden. (Mehr dazu unter Hypnose als Verhalten) Am ursprünglichsten durch die Monotonie rhytmischer Bewegung. Bei einigen Naturvölkern gibt es z. B. stundenlange Tänze zur Tranceinduktion, die von Trommeln oder Klatschen begleitet werden, um dann in magische Rituale zu münden. Ich stelle mit vor, dass die andauernde Wiederholung der immer selben Schritte eine Gewöhnung bewirkt und obendrein die subjektive Sicherheit erzeugt, dass es zu keiner Störung (Gefahr) kommen wird. Der Tänzer kann es sich also leisten, die Aufmerksamkeit nach innen zu verschieben und hat keinen Grund, dem Außen noch Beachtung zu schenken, bis er kaum noch etwas von außen mitbekommt. Die Anhebung der Wahrnehmungsschwelle bzw. die Verringerung von Sinnesreizen wäre dann also nicht nur eine Eigenschaft von Trance, sondern ebenso eine Methode, sie zu erzeugen. Dafür sprechen auch andere traditionelle Tranceinduktionen, wie z.B. der Tempelheilschlaf im antiken Griechenland, zu welchem die Patienten Stunden und Tage in dunklen Höhlen verbrachten, um heilende Träume oder Halluzinationen zu erleben. Sie können das heute noch ein Stück weit nachvollziehen, wenn Sie sich in einen dieser mit Salzwasser gefüllten und schalldichten Floating-Tanks legen. Mit Spontanheilungen würde ich nicht rechnen, aber die Aussichten auf ein paar Halluzinationen sind dabei schon ganz gut. Pseudo-Halluzinationen eigentlich, denn Sie wissen ja, dass sie nicht real sind. Hoffentlich.