Was ist denn an Hypnose modern?



Tatsächlich haben ja bereits die alten Ägypter vor über 3500 Jahren Operationen unter Hypnose ausgeführt. Das geht aus einer Papyrusrolle hervor, die ca. 1500 v. Ch. in Theben entstanden ist: Das Papyrus Ebers.
Auch aus der Antike sind hypnotische Heilmethoden überliefert, etwa der Tempelheilschlaf im Asklepioskult.
Im Christentum spielte die Hypnose als Heilbehandlung lange Zeit nur noch innerhalb der sog. Mönchsmedizin eine Rolle. Und - wenn man Teufelsaustreibung als Heilbehandlung betrachten möchte - auch dort.
Hypnose wurde also traditionell stets im Rahmen von Religion praktiziert, was sich änderte, als einige Ärzte im 16 Jh. begannen begannen, dem Magnetismus heilende Kräfte zuzusprechen und somit den Weg einer physikalischen Erklärung für hypnotische Phanomene beschritten.
Auch Franz Anton Mesmer (1734-1815), ging zunächst davon aus, postulierte aber später einen "animalischen Magnetismus", weil er sah, dass seine Heilbehandlungen auch ohne Magnete funktionierten.
Die Auffassung von Hypnose, als einer Fähigkeit des Behandelten
- und nicht des Behandlers, einer physikalischen Kraft oder einer höheren Macht - setzte sich aber erst nach Mesmer durch. Es war ein portugiesischer Priester, Abbé Faria, der dies Ende des 18 Jh. erkannte und die große Bedeutung des gesprochenen Wortes für die Hypnose entdeckte.
Im 19. Jh wurde sie häufig zur Narkose eingesetzt. James Esdaile (1808-1859) führte in Indien über 1000 Operationen damit durch. Der oftmals tödliche Schock durch die Schmerzen etwa bei einer Amputation konnte mit Hypnose vermieden werden. Das war aufsehenerregend, aber mit der Erfindung von Chloroform und Äther gab es bald schon einfachere Narkosemethoden.
Mit Hippolyte von Bernheim begann gegen Ende des 19. Jh. die neuzeitliche Hypnosetherapie. Er betrachtete Hypnose als ein völlig normales und natürliches menschliches Verhalten, das durch Suggestion nutzbar gemacht wird. Obwohl zuvor schon Andere von Suggestion und Imagination im Bezug auf Hypnose sprachen, hatte sich dieser Gedanke vorher nie durchgesetzt.
Bernheims Bücher wurden von Freud ins deutsche übersetzt. Dieser war zunächst begeistert von der Hypnose, wandte sich aber später von ihr ab, weil er einerseits wohl kein besonders guter Hypnotiseur war und ihr ausserdem vorwarf, die Ursachen von Krankheit nicht aufzudecken. Doch indem er den Begriff des Unbewussten als maßgebliche Instanz für menschliches Handeln installierte, lieferte er die Voraussetzung für die moderne Form von Hypnotherapie als (dialogische) Kommunikation mit dem Unbewussten. In dieser Betrachtung ist Hypnose durchaus nutzbar, um seelische Probleme analytisch zu lösen, obgleich das nicht zwingend nötig ist.
Mit Milton Erickson (1901-1980) hielt das ressourcen-orientierte Vorgehen Einzug in die Hypnotherapie. Die Ressourcen sind die kraftgebenden Momente, die Stärken eines Menschen.
Er forderte die Anpassung der therapeutischen Vorgehensweise an die Individualität des Patienten und entwickelte dazu Methoden, die mit der klassischen Hypnose, in welcher der Patient vom Hypnotiseur "besprochen" wird, nicht mehr viel gemeinsam haben. Alle modernen Formen der Hypnotherapie bauen auf Ericksons Arbeit auf und verbinden diese mit den neueren Lehren zur Selbstorganisation von Systemen (Hermann Haken) und der Kommunikationsforschung von Maturana. Die selbstorganisatorisch strukturierte Hypnotherapie hilft dem Patienten, sich selbst zu heilen und den Konflikt zwischen seinen schädlichen und hilfreichen Denk- und Verhaltensweisen mittels seiner Kreativität aufzulösen.