Gibt 's ihn oder gibt 's ihn nicht?

Die Burn-Out-Verwirrung

Viele haben im eigenen Bekanntenkreis jemanden, der an Burn Out erkrankt ist, oder sind gar selbst betroffen. Und dann hört man immer wieder die Diskussionen um die Frage, ob es Burn Out nun wirklich gibt.
Wie ist das zu erklären?

Zunächst muss man sich klar machen, das ärztliche Diagnosen ein Schubladensystem sind, das nur dazu geschaffen wurde, festzulegen, wer krank ist und deshalb Leistungen von den Kassen erhält und wer nicht.
Burn Out rangiert in diesem System als Zusatzdiagnose, die alleine nicht den Status einer Krankheit besitzt und spielte daher viele Jahre lang nur eine Nebenrolle.
In den lezten Jahren steigt die Zahl der BO-Diagnosen jedoch beträchtlich. Diese Entwicklung bringt – zumindest vordergründig – erst einmal höhere Kosten mit sich, woher sich der Gegenwind erklärt und die Versuche, BO als Simulation darzustellen. Neue Geschäftsmodelle, die sich auf die Ausbrenner stürzen und jede Menge nutzlose aber teure Untersuchungen verkaufen, verschärfen die Lage natürlich noch.

Aber weshalb nimmt Burn Out eigentlich so zu? Weil mmer mehr Ärzte und Psychologen den Vorteil entdecken, den diese Diagnose birgt: sie ist nämlich nicht mit einem Verlust von Ansehen behaftet, wie das bei anderen Diagnosen häufig der Fall ist.
Im Gegenteil – einen BO hat man sich erarbeitet und kann sogar ein bisschen stolz darauf sein. Dadurch trauen sich auch Menschen zum Psychologen, denen das früher zu unangenehm gewesen wäre und eröffnen sich somit frühzeitig bessere Heilungschancen.
Einige lange Krankheitskarrieren können so vermieden werden und das dürfte sich auch wirtschaftlich rentieren – wenn man nicht allzu kurzfristig denkt.

Burn Out hat etwas von einer Wunde, die man sich im ehrenhaften Kampf mit der feindlichen Umwelt zugezogen hat. Mit diesem Selbstbewusstsein, geht man eher zum Therapeuten. Und das ist gut so.

Letztendlich trifft das auf alle seelischen Leiden zu, dass sie im Konflikt mit der Umwelt entstehen. Aber bis es normal wird zum Psychotherapeuten zu gehen, wird es wohl noch einige Zeit dauern.

Was tun bei Burn Out?

Wenn sie sich schlecht fühlen und denken, es könnte Burn Out sein, gehen Sie am besten erst einmal zu Ihrem Hausarzt. Sparen Sie sich teure Spezialkliniken für Burn Out. Das Geld ist mit einem Kurzurlaub besser angelegt. Um den seelischen Ursachen auf den Grund zu gehen empfiehlt es sich dann natürlich, einen Psychotherapeuten aufzusuchen.